„Oft ist das dann wie eine Zeitmaschine…“

Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt bleibt dumm. Ein paar Fragen zum Thema SelbstBewusstSein. Heute mit dem sympathischen Tim Kernwein.

Ali: Gehen wir gleich mal in die Vollen: Wer bist Du?

Tim: Das ist mal eine gute Frage. Wer ich bin kann ich so auch gar nicht beantworten. Am besten trifft es wohl irgendwas zwischen DJ, Soundfetischist und Musiker.

Ali: Womit verdienst Du Deine Brötchen, was ist Deine Passion und was sind aktuelle Projekte die Dich besonders berühren?

Tim: Zurzeit studiere ich noch in Frankfurt Audio Engineering was ziemlich viel Zeit in Anspruch nimmt. Meine Brötchen verdiene ich neben dem Studium dadurch das ich in einer Jazz Bar arbeite. Dort läuft viel Live Musik. Das ist toll und hat mich in den letzten Monaten musikalisch beeinflusst. Ansonsten versuche ich soviel Zeit wie möglich mit Musik zu verbringen: im Plattenladen die neusten Releases durchhören, an neuen Sounds tüfteln oder an den Maschinen schrauben… Gibt immer viele Projekte die nebeneinander laufen und mir wichtig sind. Der Fokus liegt zurzeit aber auf jeden Fall auf der eigenen Musik.

Ali: Was begeistert Dich abgesehen von Deinem Beruf?

Tim: Menschen, Science Ficton, Das Weltall, endlose Gespräche in der Küche und mehr.

Ali: Was sind für Dich die Highlights in der Ausübung Deiner Kunst?

Tim: Mir gefällt vor allem, dass man durch die Musik immer wieder neue, offene und gleichgesinnte Menschen kennenlernt. Auch das Kollektive Bewusstsein welches man auf dem Dancefloor erleben kann ob als Tänzer oder DJ gehört mit Sicherheit zu den Highlights meiner Wochenenden. Oder wenn man nach einem langen Tag im Studio hundemüde aber glücklich ist.

Ali: Als Künstler ist Flow Dein Handwerkszeug. Wie kommst Du in Flow? Was ist für Dich Flow?

Tim: Im Flow fühle ich mich beim Auflegen ab dem Zeitpunkt an dem ich nicht mehr darüber nachdenke welche Platte als nächstes läuft, sondern die Platten einfach intuitiv aus der Tasche greife. Wenn man sozusagen das rationale Denken abschaltet. Intuition ist also echt ein passender Begriff für Flow. In den Flow komme ich gut wenn das Drumherum passt: zuvor mit lieben Leuten abgehangen oder etwas essen gewesen, ab in den Club – geile Anlage, nettes Barpersonal. Das ist auf jeden Fall schonmal ein Grundstein für eine gute Gefühlslage. Jedoch kann man das so auch gar nicht generalisieren -es kann alles außen rum stimmen und man kommt nicht in den Flow. Genauso kann es sein, dass das Grundsetting so überhaupt nicht stimmt und man trotzdem eine gute Zeit hat weil man es einfach akzeptiert und los lässt. Haben wir ja an unserer Benefizsession in Würzburg erlebt…

Ali: Was ist Dein Ausgleich für ein hartes Wochenende im Nachtleben? Wie tankst Du Kraft und gelingt es Dir Dich auch in stressigen Situationen damit zu verbinden? Welche Bedeutung hat die Natur für Dich?

Tim: Mit der Natur teile ich eine große Verbundenheit. Vor allem dadurch dass ich in der Großstadt lebe, ist es für mich total wichtig mal raus ins Grüne zu kommen. Für mich bedeutet dies, das Urmensch-Dasein wieder aufleben zu lassen. Ansonsten kann ich die Batterien auch oft aufladen wenn ich Zeit mit meiner Freundin oder engen Freunden verbringe. Das gibt einen nach Nächten in denen man viel Energie gibt, wieder einiges zurück. Tatsächlich sind auch die Nächte im Club auf dem Dancefloor eine Art Ausgleich für mich, zumindest wenn du die Energie hast und selbst am Wochenende nicht spielst. Wenn du da bis in die frühen Morgenstunden im RJ den Vibe auffängst hat das schon etwas spirituelles.

Ali: Fallen Dir Alltagssituationen ein, in denen Du bewusst im Flow bist?

Tim: Das können oft schon richtig kleine Dinge sein. z.B. im Supermarkt wenn du vor einer ewig langen Schlange stehst und dann eine neue Kasse öffnet. Oder man unterwegs ist und spontan den schönsten Sonnenuntergang sieht.

Ali: In einem der kommenden Video-Features in unserem Blog beschreibt Ata, was für ein großartiger Raum entsteht, wenn alle kollektiv in Flow kommen, in eine Einheit verschmelzen. Wie siehst Du das?

Tim: Ich seh das schon ähnlich. Es gibt auf jeden Fall die Momente im Club wo man losgelöst ist vom Selbst, alles um einen herum anders wahrnimmt und zu einer Einheit verschmilzt. Oft ist das dann wie eine Zeitmaschine in die Zukunft wenn es der DJ schafft den Moment zu halten. Stunden können im Hauch eines Augenblicks schon wieder vorbei sein. In dem Interview, das du ansprichst, heißt es ja, dass diese Einheit vor allem durch den Konsum von xtc hervorgebracht wird. Das sehe ich nicht so. Man kann dieses Kollektive Bewusstsein auch im nüchternen Zustand verspüren wenn man sich vom Groove hypnotisieren lässt und sich dem komplett hingibt.

Ali: Ich bin ja überzeugt, dass diese Einheitserfahrungen, die wir als Künstler anderen ermöglichen, das Höchste ist, was wir unserem Leben geben können. Wie sieht es bei Dir aus, kannst Du Deine Arbeit dementsprechend wertschätzen? Oder machst Du Dich als DJ ehr klein im Vergleich mit anderen, zb klassischen Künstlern?

Tim: Ja ich weiß das sehr zu schätzen welche Wirkung man auf Menschen durch das Auflegen, durch die Musik haben kann. Einem Freund ging es mal nicht so gut und wir haben eine Party gefeiert. Am nächsten Tag hat mich meine Freundin gefragt wie es denn diesem Freund ginge. Ich hatte nicht mit ihm gesprochen und keine Ahnung weil ich ja die ganze Zeit aufgelegt habe. Dadurch hab ich mich erst kurz schlecht gefühlt. Jedoch ist mit dann wieder eingefallen dass ich sein lachendes Gesicht beim Tanzen gesehen habe. Da wurde mir bewusst, dass ich an diesem Abend, nicht mehr für ihn machen konnte.

Ali: Was ist für Dich Selbstbewusstsein? Bist Du selbstbewusst? Wo begegnest Du Dir Selbst?

Tim: Mir selbst begegne ich mir vor allem beim Musik machen. Man hört und spürt das wenn die Musik von Innen heraus kommt. Man kann auf diese Art und Weise gewisse Dinge verarbeiten die einem im Alltag belasten.

Ali: Hast Du besondere Guru Platten, die in Deinen Sets diese magische Einheit erzeugen bzw den Einzelnen mit sich Selbst verbinden?

Tim: Also da muss unbedingt von Ricardo Villalobos die Bassqueen genannt werden. Die Platte spiel ich nicht oft, aber die ist auf jeden Fall einer meiner All Time Favorites. https://www.youtube.com/watch?v=qzL9xn2fjDQ

Eine aktuelle Nummer die ich richtig gut finde ist von Gene on Earth – Pulse Mode. Ich hab keine Ahnung was da mit den Chords passiert aber die nehmen mich immer komplett mit. https://www.youtube.com/watch?v=AtqGQI0tm8A

Ein wenig Technoider und schön trippy find ich das Binh Album auf My Own Jupiter richtig stark. Vorallem TenTen ist da ziemlich cool. https://www.youtube.com/watch?v=w7uY8-hHHNU

Ali: Gibt es eine Frage, die Du Dir Selbst gerne stellen würdest?

Tim: Um auf die Frage vom Anfang zurück zukommen: Wer bist du eigentlich? Die Frage stelle ich mir nur allzu oft. Ich finde auch das sollte man sich öfter fragen – Wer bin ich? – Wo will ich sein? Bin ich zufrieden wo ich zur Zeit stehe? Wenn nein was kann ich ändern? Diese Art von Selbstreflexion und Einordnung ist wichtig für das Wachsen als Künstler.

DANKE.

Tim hat uns als kreative Interpretation unseres Lieblingsthemas einen wunderschönen Track gebastelt…

Enjoy yourself.

Hier mit Downloadlink:


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