Das rechte Maß an Spannung: Vom Lampenfieber zur Auftrittsangst- und zurück!

„Die Hochschule für Musik Würzburg misst der Musikergesundheit und Musikermedizin einen hohen Stellenwert bei. Denn körperliches und seelisches Wohlbefinden sind Voraussetzung für die Entfaltung der musikalischen Potentiale und für die erfolgreiche Bewältigung des Studiums und Musikerberufs.“ Ende letzten Jahres lud die HFM Würzburg zu einem Workshop zum Theme Musikergesundheit/ Auftrittsangst. Hier einige spannende Erkenntnisse aus dem Work Shop und einige eigene freie Interpretationen und Erfahrungen aus meiner Arbeit im Künstlercoaching:
 
„Ich bin nicht dafür geschaffen, Konzerte zu geben,
das Publikum jagt mir Angst ein,
ich fühle mich von seinem Atem gewürgt,
von seinen neugierigen Blicken gelähmt,
sprachlos beim Blick in diese eigenartigen Gesichter.“
(Frédéric Chopin)
 
„Mein erstes Konzert ist nun 80 Jahre her, aber noch immer bin ich dieses schrecklichen Lampenfiebers nicht Herr geworden. Schon der Gedanke an ein öffentliches Auftreten ist für mich immer noch ein Alptraum. (Pablo Casals)
 
Diese zwei Zitate  zeigt wie verbreitet die Auftrittsangst selbst bei Stars ist.
Vorneweg ist die Unterscheidung wichtig:
Ein gewisses Lampenfieber ist die Voraussetzung für unsere Meisterleistungen. Ich erinnere mich noch an ein Gespräch mit Ata, als er meinte, dass er noch immer Lampenfieber hat. „Wenn das einmal weg ist, müsse er sich ernsthafte Gedanken machen.“
 
Auftrittsangst ist eine extreme und destruktive Form des Lampenfiebers.
Was können wir in dem Fall der extremen Auftrittsangst machen?
Ein Heilungsweg liegt in dem Bewusstsein für sich Selbst und für die eigenen Gefühle.
Konkret die Achtsamkeit für das, was uns Angst macht.
Meist sind es alte Muster und Programme. Wenn wir es schaffen sie einmal ganz neutral willkommen zu heißen und ihnen Raum geben, dann können sie uns sagen, was sie brauchen. Das können ganz banale Dinge sein, wie ein Schluck Wasser, etwas Bewegung, etwas Süßes, ein Gespräch, oder Ruhe und einige bewusste Atemzüge. Meist geht es aber deutlich tiefer und unser Inneres Kind will von uns gesehen und gehört werden. Die Psychologie ist sich mittlerweile klar, das fast alle unserer heutigen Probleme ihre Wurzel in Verletzungen der Kindheit haben. Gerade als Künstler brauchen wir die Verbindung zu dem Kind in uns. Hier ist die Basis unserer Meisterwerke. Du solltest also Deinem Inneren Kind achtsam begegnen und Dir gleichzeitig bewusst werden, dass Du nicht mehr dieses abhängige Kind bist.
Die Unruhe in Dir kommt von dem ohnmächtigen Kind, das früher abgelehnt und kritisiert wurde und diesen Schmerz noch heute in sich trägt. Solange Du Dich nicht diesem Anteil widmest, und weiter aus dem Verletzten Kind heraus agierst nährst Du ihn. Du stößt das Pendel immer wieder neu an, anstatt es ausklingen zu lassen.
 
Der Weg der Heilung ist den Schmerz zu fühlen, ihn wahrzunehmen und sich bewusst zu machen, dass diese Situation jetzt vorbei ist. Dass er Dich genau an den Punkt geführt hat, an dem Du jetzt bist. Und dafür dankbar zu sein. Vielleicht hat Dich dieses Muster/ Programm dazu gebracht sehr viel zu üben, um nicht zu versagen. Dann hast Du großes Können aufgebaut.
Erkennst Du die alte Programmierung und verbindest sie mit Akzeptanz und Dankbarkeit, dann kann sie Dich loslassen und Dein Potential ins Fliessen kommen.
„Wenn wir uns auf unsere Ängste einlassen merken wir, dass dort unser größtes Potential liegt!“ (Ali Mahlodji)
 
Dies geschieht dann nicht auf Basis des ohnmächtigen Kindes, sondern des Erwachsenen, der Du jetzt bist und der Verantwortung für Dich und den kindlichen Anteil übernimmt!
Entscheidend ist immer diese hier entstehende innere Stärke und Gelassenenheit.
Diese Gedanken zu der Thematik sind aus meinem Erfahrungsschatz.
 
Im Seminar wurden folgende präventive Maßnahmen als sinnvoll betrachtet:
• Wir können bewusst an unserer Bühnenpräsenz arbeiten und Auftrittstrainings absolvieren, zb auch an Open Stage’s. Wertvoll ist hier einmal bewusst die Grenzen auszuloten und dadurch ein besseres Gefühl seiner Möglichkeiten aufzubauen.
• Das gilt auch für mentale, kognitive Strategien. „Was kann schiefgehen? Kann ich es aushalten mich auch mal ohnmächtig zu fühlen? Sterbe ich dann? Sind die Konsequenzen wirklich so tragisch? Was sind meine Stärken? Gelingt es mir, mich so anzunehmen wie ich bin und was ich leiste? Dann kann aus einer Ohnmacht eine Demut und Hingabe werden. Hier wartet Flow auf mich!
• Viele nutzen mittlerweile Entspannungsverfahren wie Yoga, Pilates, Chi Gong, Autogenes Training, Atemmeditation
• Bewegung wie Treppensteigen, ein Spaziergang, oder Joggen wirkt oft Wunder, am Besten wenn es in freier Natur möglich ist und wir uns direkt erden können.
• eine gute Ernährung vor dem Auftritt und idealerweise in den Phasen, in denen Du kreatig tätig bist, zb auf Tourneen und Turnieren.
• Beim Auftritt suche Dir einzele Bezugspersonen aus, das macht das Publikum greifbarer.
• Das erwähnte SelbstBewusstSein gilt auch für eine ehrliche Analyse unserer Erfolge und Misserfolge.
• von Stimulanzien wurde deutlich abgeraten. Zu verbreitet ist wohl das anheitern in der Künstlerszene.
 
In der gesamten Menschheit gibt eine Sehnsucht nach Betäubung. Gerade in der Kunst. In Alkohol und Drogen geht es immer um ein „automatisiertes“ in Fluss kommen, manchmal um die Verstärkung von Gefühlen, um das Ausschalten der blockierenden Gedanken und eine Leistungssteigerung. Gerade bei DJ’s im Nachtleben kann der konditionelle Aspekt ebenfalls eine Rolle spielen.
 
Persönlich vermeide ich in meiner Arbeit etwas zu verbieten und meist sogar es zu bewerten. Das bringt zum einen nichts, zum anderen geht es um die Hintergründe und die Beleuchtung der Sehnsucht, die hinter dem Konsum steckt. Mir ist es immer sehr wichtig andere Optionen und damit Freiheit aufzuzeigen. Es gibt Naturheilmittel, die uns dabei unterstützen wach, klar, verwurzelt und in Flow zu sein. Wieso sollten wir uns das Füllhorn der Natur verwehren? Zumal in ihr nicht nur die Kräfte schlummern, die uns im Auftritt stärken, sondern auch danach entgiften und ideal regenerieren lassen. Wenn wir uns am Wochenende schon verausgaben müssen, dann sollten wir uns nicht weiter mit einem schlechten Gewissen aufhalten, sondern uns lieber fragen, welche Alternativen es gibt. Wo sind wir schon im Alltag im Flow? Wann können wir uns entspannen? Besteht Platz für Meditation in unserem Leben? Folgen wir dieser Fährte wird unser Flowbewusstsein wachsen und (wir) immer unbedingter von äußeren Faktoren.
Diese Kompetenz wird dadurch unterstützt, dass wir auch unserem Körper entgiften und stärken. Wie innen so aussen. Die Körperliche Entgiftung, gerade jetzt im Frühjahr durch heimische Wildkräuter wie Bärlauch, Löwenzahn, Gundermann, Brennnessel setzt in meinen Coachings oft tiefgreifende Prozesse in Gang. Physisch aber auch psychisch.

In dem Workshop kam auch die Frage auf, wieso wir uns von dem, was wir einst so über alles liebten (die Kunst/ Musik), heute so unter Druck setzen lassen.
Das saß tief und niemand wusste eine Antwort.
Ich kann diese Frage sehr gut nachvollziehen, gerade im größten Erfolg hatte ich komplett die Freude an meinem anfangs so geliebten DJing verloren. Auf der einen Seite war die Sucht nach dem Baden in der Einheit mit dem Publikum, auf der anderen Seite die Angst zu versagen, nicht gut genug zu sein, den Erwartungen nicht gerecht zu werden.
Die Frage könnte man sogar auf andere Lebensbereiche und Beziehungen ausweiten. Doch bevor wir ins Philosophische abgleiten beende ich diese Betrachtung,
 
Im Herbst fand übrigens auch noch das Forum Musikergesundheit statt. Dazu ein anderes mal mehr.
Herzliche Grüße und Dir alles Gute.
Alexander

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Alexander Prier. Seelen DJ. Künstlercoach.
Alexander Prier | Am Hausberg 36 |  97320 Mainstockheim
09321 923170 |  0151 10 54 07 54
prier@jetztundhier.org | www.SelbstBewusstSein.blog
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