Ja, meine Arbeit ist vollbracht – ja, ich habe heute nichts gemacht.

Wow, was lange währt, wird endlich gut. Die Fragen gingen vor vielen Wochen an Flo und anscheinend waren sie durchaus mächtig, denn sie luden ihn ein, sich mit sich selbst zu konfrontieren. Das was dabei rausgekommen ist berührt und begeistert mich zutief.

Mir geht es ja immer neben dem SelbstBewusstSein auch um die Wertschätzung. Ich glaube und hoffe Flo konnte beim Schreiben erkennen was er alles auf dem Kerbholz hat und wie deep, wie weise seine Lebenseinstellungen sind. Immer wenn Du Dir dessen nicht bewusst sein solltest, lies Dir diese Zeilen durch, werter Freund.

Erst gestern wieder durfte ich einem Künstler, der in meinen Augen ein absolut riesiges Potential verfügt, sich aber noch oft selbst im Weg steht den Impuls schenken, sich manchmal nicht zu wichtig zu nehmen, über sich selbst zu lachen und einfach dem anvertrauen, was der Weg, was das Leben mit einem vor hat. Und sich nicht immer nur an den eigenen Vorstellungen und Wünschen orientieren und darin frustrieren lassen. Oft stellt sich am Ende das Tatsächliche dann als viel geiler heraus, als das, was man eigentlich plante. Demut nennt man das wohl. Eine Kunst, die wir Künstler wohl alle lernen müssen, und dann aber wirklich zur Meisterschaft führen kann.

So, jetzt viel Spaß mit den Fragen.

Wer Flo persönlich kennenlernen möchte, kommt Samstag einfach hier vorbei. Flo spielt sowohl Outdoor ua die Kinderdisco, wie auch später im Club.

https://www.facebook.com/events/1651146254962402/

Ali (Alexander Prier) mit Flo (Florian Denk) über SelbstBewusstSein, die Idee sich nicht zu wichtig zu nehmen und Alternativen zu den scheinbaren Einbahnstraßen der Künstler, die uns die Geschichten um Luciano und Avicii jüngst wieder bewusst machten.

1/ Gehen wir gleich mal in die Vollen:

Wer bist Du?
Was kommt Dir spontan, ohne dass Du googeln musst? 
Ich komm ja gern mit Zitaten oder Liedtexten, wenn mir nix einfällt, da würde ich dann sagen: „Wir sind viele, jeder einzelne von uns“; aber wenn ich das mal weglasse: 
Ich bin Florian Denk, Sohn meiner Eltern und Opfer und Täter der Umstände, in die ich hinein geboren wurde und in die ich mich freiwillig oder aus geduldeten Zwängen hinein begeben habe. – Nein, ich bleibe bei den Liedtexten.

2/ Also, ich finde es schon lange spannend, wie jeder sich erst mal über seine Arbeit definiert. Falls Du das noch nicht gemacht hast, dann gerne jetzt: Womit verdienst Du Deine Brötchen, was ist Deine Passion und was sind aktuelle Projekte die Dich besonders berühren?

Meine Vollkornbrötchen hab ich mir die letzten Jahre auch immer wieder mal anders verdienen müssen, als mit meinen Passionen Tanz, Schauspiel, Musik, bzw. dem, was ich studiert habe und schon seit Jahren praktiziere. Vom Gläserräumer in meiner Lieblingsmusikbar am Kotti bis zum Nachtportier in einem Hostel in Berlin Mitte war da so manches dabei.

Wenn mich ein Projekt angesprochen hat und ich mich dafür freimachen konnte, spielte Geld oder auch belegte Brötchen nicht unbedingt eine Rolle. 
Letzten Herbst habe ich in Berlin im Haus der Kulturen der Welt Geschichten aus Aleppo erzählt. Das war sehr berührend, da ich alleine immer nur einer Person eine Geschichte über das Lieblingskaffeehaus des Autoren von dort erzählt habe; allerdings sieben mal am Tag, drei Tage in Folge. Es war jedes mal anders, je nachdem wem man die Geschichte erzählt hat.
 Hier ein paar Infos dazu:

https://www.hkw.de/de/programm/projekte/2017/why_are_we_here_now/why_are_we_here_now_mohammad_al_attar/aleppo_a_portrait_of_absence_mohammad_al_attar.php

Januar und Februar hab ich am Theater Erlangen für eine Produktion von Kasimir und 
Karoline in der Regie von Mirja Biel geprobt und freue mich darüber mal wieder in Franken
zu sein. Besonders berührt mich dabei, dass Sophia Kennedy die Musik dafür produziert hat
 (,die man ja vielleicht kennt als ersten nicht elektronischen Act auf Pampa Records oder aus diversen anderen Großstadttheatern). Da war ich sehr gespannt, denn es heißt, dass wir als Ensemble mit Ihrer Musik über alle Vorstellungen auf der Bühne zu tun haben. Schönes
 Gefühl. Da gönn ich mir auch mal wieder ne Scheibe Weißbrot.
 Außerdem organisiere ich zum ersten Mal in Berlin als DJ Veranstaltungen für diesen Sommer. Das nächste Healing Disco Gardening findet am 1. Juni statt: die Damenwahl im Garten Eden, in der es um female Djs gehen soll. Beides im schönen Garten des Festsaal Kreuzberg.

3/ Was begeistert Dich abgesehen von Deinem Beruf?

Ich kann mich für sehr vieles Begeistern. Ich mag ungewohnte Zusammenhänge, in Mensch, Tier, Bild und Ton; mit anderen Worten: Ich liebe Katzenvideos!
 Humor begeistert mich.

4/ Was sind für Dich die Highlights in der Ausübung Deiner Kunst?

Die Energie zu spüren die sich freisetzt; zunächst mal bei mir selbst, aber eben auch durch den Austausch mit anderen und eben beim Publikum.

5/ Als Künstler ist Flow sicher Dein Handwerkszeug. Wie kommst Du in Flow?

Wenn ich mich vor einer Probe oder einem Auftritt aufwärme ist Musik meistens sehr wichtig. Ich habe bei Theaterproduktionen meistens eine Art Soundtrack, der sich über die Wochen
aus den Inhalten ergibt. Für Kasimir und Karoline, das eine echt abgründige
Liebesgeschichte auf dem Oktoberfest erzählt, habe ich mir viel Bbou (ein bayerische Rap) und Romano (berliner Rap) angehört, aber auch Moodyman und die letzte Siriusmo Platte haben mich in Laune und vor allem in Bewegung gebracht.
 Beim Auflegen gibt es oft so zwei drei Stücke auf die ich mich besonders freu bzw den Weg dahin zu mixen. Bewegung ist etwas sehr Zentrales für mich, um in den Fluss zu kommen.

6/ Mir ging es lange so, dass ich mich betäuben musste um in Flow zu kommen, bis das Leben vor über 10 Jahren die Notbremse reingehauen hat und mich deeper schauen lies. Durch das jüngste Outing von Luciano sowie das Drama um Aviici und seinen wahrscheinlichen Freitod bekommt das Thema jetzt eine starke Brisanz. Hast Du ausser Jägermeister vielleicht einen etwas nachhaltigeren Tipp, um in Flow zu kommen Und was machst Du, wenn Du irgendwie partout nicht rein kommst?

Is witzig, dass du „Jägie“ erwähnst. Unser Kasimir, Enrique Fiss, Ensembleschauspieler am Theater Erlangen trägt eine Jogginghose auf der ein Jägermeister-Schriftzug von unten nach
oben auf dem Hosenbein steht. Ich bin absolut kein Freund von dem Gesöff. Überhaupt was
 die Abgründe von Alkohol angeht, ist das Stück an sich, aber auch die tolle Inszenierung von Mirja Biel für Erlangen, ein Paradebeispiel dafür, warum ich als Teenager Alkohol so gehasst habe. Volksfeste hab ich lange nicht kapiert. So feste Daten an denen man kollektiv ausrasten muss, weil es im Kalender steht. Viele Diskotheken waren früher für mich eine Art von
 Extension davon. Heute sehe ich das anders. Es gibt eben auch gewisse Rituale die mit
Alkohol verbunden sind und auch was Schönes sein können. Ich habe mich früher eher
 abgrenzen wollen, von diesem ganze Suff. Männer die sich laut und hart gebärden wollen 
über Alkohol, war nicht so meins. Wenn ich im Teenageralter auf Punkkonzerte oder im AKW bei Nuclear Noise tanzen gegangen bin, hatte ich ein zwei Radler über den Abend am Rand stehen und hab auch nur Zigaretten geraucht, wenn ich die Musik langweilig fand. Heute tanzen alle mit nem Drink in der einen und der Kippe in der anderen Hand – ach ne – rauchen is ja jetzt auch verboten – rennen zwischen Raucherecke und Tanzfläche und Bar hin und her, um sich – wie du es so schön nennst – in den Moment zu bringen; bis dann das Licht angeht und die Nacht mal wieder gelaufen ist. Ok das geht jetzt am Thema vorbei und is auch ganz schön schwarz zu grau gemalt.

Also ich muss zugeben, wenn ich auflege, hab ich auch immer mindestens ein Bier oder einen Longdrink neben mir stehen. Ist aber auch schwierig, wenn man für Menschen spielt die alle be- oder zumindest „angetäubt“ sind, das anders zu machen. Und da sind wir bei den Ritualen: Letztlich ist es ne Entscheidung, wie man die Zeremonie mitmacht, die um einen herum stattfindet.

Wenn ich auf der Bühne stehe, spiele ich nie unter Alkoholeinfluss, vielleicht mal mit ’nem 
Kater auf der Probe; die Leute im Publikum dagegen haben meistens wenigsten eine Weißweinschorle oder einen Sekt intus. Das muss ich ja auch nicht mitmachen; muss ich mir aber auch bewusst machen. WO ist wollen und wo ist Zwang oder dumme Ausreden bzw. Angewohnheiten. Ich habe aber über die Jahre gelernt, dass ich mich für Rollen in Zustände wieder hineinversetzten kann, um sie darzustellen; Und wenn man sich auf ein Publikum einlässt, kann man da auch die Energie herbekommen, die man sich sonst wo anders einbildet holen zu müssen. 
Kurze Antwort: Club Mate und „guuude Laune“ tun es auch um in Fluss zu kommen.
 Im Idealfall kommt der Rausch durch das, was man da macht.

7/ Was ist Dein Ausgleich für ein hartes Wochenende im Nachtleben? Wie tankst Du Kraft
 und gelingt es Dir Dich auch in stressigen Situationen damit zu verbinden? Welche Bedeutung hat die Natur für Dich?

Ich muss gestehen, dass ich über die Nebenjobs, also das eher unglamouröse Nachtleben, sehr zu schätzen gelernt habe, einen normalen Tag-Nacht-Rythmus zu bekommen. Aber man macht dann eben das Beste draus: Frühstücken als Mahlzeit vorm Schlafengehen oder sich
 mal ein Feierabendbier zum Frühstück gönnen. Sonnenaufgang sehen, Vitamin B / D tanken, genießen, dann schlafen gehen. Ich habe im letzten Jahr so viele Filme und Serien zu hause im Bett gesehen, wie noch nie in meinem Leben. War auch schön, ganz im Sinne von ja meine Arbeit ist vollbracht – ja ich habe heute nichts gemacht.“ Es gibt einfach oft, nichts Schöneres als nichts tun zu müssen, niemandem verantwortlich zu sein, keine Verpflichtungen, keine Zwänge; Lesen, sehen, hören, was und wen ich will.
 Ich beginne gerade mal wieder Natur für mich zu entdecken. Ich bin auf dem Land groß geworden bzw. Dorfkind; da gab es den einen Baum auf den Feldern, der Baumhaus genannt wurde, weil 3 Hölzer als Leiter dran genagelt waren, es gab kleine und größere Wälder drum rum, und Bäche in/an denen man gespielt hat. Aber seit meiner Kindheit haben mich immer große Städte fasziniert. Letztlich geht es um neu entdecken. Das funktioniert für mich in der Stadt genauso wie in weiter Flur, in heimischen Gefilden und in der Ferne.

Meine Familie hat mir ein Klapprad zu meinem Geburtstag geschenkt. Ich bin zwischen Nürnberg und Erlangen viel mit dem Rad unterwegs gewesen in der Probenzeit. Für mich ist es spannend – einfach neue Wege zu gehen/ fahren. Das gab mir die letzten Wochen auch immer wieder was zum Ausgleich.

8/ Was sagst Du zur Bedeutung der kollektiven Extase?

Im Theater geht es viel um kollektive Erlebnisse, da habe ich schon so einige intensive Erfahrungen mit Kollegen gemacht; natürlich auch bei Konzerten, Clubgigs, Tanzveranstaltungen. Das ging bei mir mit 12 Jahren auf den ersten Konzerten so, bis zu den DJ-Gigs, die ich in den vergangen Wochen hatte. Es kommt dabei manchmal auch gar nicht darauf an, ob jetzt loveparade-artige Massen auf etwas reagieren oder 3 Leute in 
Papas Partykeller das erste mal eine bestimmte Platte hören und plötzlich zusammen ausrasten.
 Zusammen einen Film sehen, eine Theaterdarbietung, gemeinsam Sport machen, Sex, Drogen, der Kaffeklatsch oder auch Yoga, kann im richtigen Kollektiv zu starker zwischenmenschlicher Verbundenheit führen. Abgrenzung und Individualität hat sich in unserer Gesellschaft als etwas so/zu Wichtiges entwickelt, eben vor allem in der Jugendkultur oder bei solchen „Berufsjugendlichen“, wie mir. Ist ja auch schön, dass man nicht gleichgeschaltet sein muss, doch ich glaube, dass das kollektive Erleben auch deshalb vielen so wichtig geworden oder geblieben ist. Zugehörigkeitsgefühle zu schaffen, ist etwas sehr schönes. Jeder erlebt solche Events ja noch mal individuell, doch sich dabei in die Augen zu sehen und in jemand ganz anderem zu spiegeln, während deine Lieblingsband spielt, ist
 doch etwas sehr schönes. Im Anschluss an einen Film oder Theaterbesuch über das geschehene gemeinsam zu reflektieren, führt auch zu einem weiteren Tiefgang.

9/ Das All-ein-sein ist für mich als Künstler immer die Krönung eines Abends und der Kunst. Wie sieht es mit dem anderen Extrem aus? Ist die Einsamkeit, der man als Künstler ja auch oft ausgesetzt ist, Dein Fall? Kannst Du es geniessen Zeit für Dich alleine zu haben, zB wenn Du auf Reisen bist? Oder sind das eher die Täler, die Du gezwungenermaßen durchreisen musst vor den nächsten Gipfeln?

Im Moment bin ich da eigentlich ganz gut mit mir und habe ein Gleichgewicht gefunden. Mir fiel allein sein, also wirklich alleine sein, ohne Medien, ohne Internet und Telefon lange sehr schwer. Es musste immer eine Art von Zerstreuung her oder ein Gegenüber. Mein Beruf erlaubt im Moment, meine gewohnte Umgebung zu verlassen, eben auch wieder mal bei meinen Eltern und Freunden, die ich lang nicht sehen konnte, Zeit zu verbringen. Deshalb genieße ich auch die Ruhephasen auf meinem Balkon in Kreuzberg oder kleine Spaziergänge über die Flur in der domestizierten Natur von Unterfranken. Ich hatte bisher noch nicht solche Tourneen, wo man sich über Stunden in einen engen Bus zwängen muss, um dann für ein Bier und ne Currywurst auftreten zu dürfen; ebenso wenig wie lange Flugreisen oder dekadente Hotelzerstörungsgeschichten. Keine Ahnung wie ich mit dem einen oder anderen umgehen würde oder ob ich mich dem dann aussetzen möchte. Das Alleine-Sein ist eben so wichtig wie die kollektiven Erlebnisse.

10/ Ich bin ja überzeugt, dass diese Einheitserfahrungen, die wir anderen ermöglichen und auch selbst erfahren, die Krone der Schöpfung ist. Und somit das Wertvollste, was man im Leben schenken kann. Wie sieht es bei Dir aus, kannst Du Deine Arbeit dementsprechend wertschätzen? Oder hast Du das Gefühl, Dich oft unnötig klein zu machen und Dich mit Anderen, zb klassischen Künstlern zu vergleichen?

Als Schauspieler hängt man ja oft in Castingsituationen oder Auditions mit ganz vielen individuellen Persönlichkeiten in einem Raum und wartet, dass man dran kommt, um dann von einem Team, böse gesagt, verglichen zu werden. Spätestens wenn der Scheiß dann gedreht oder aufgeführt wird und man ist eben doch „nur“ Zuschauer, kommen da oft diese Vergleichsgedanken: „Aha, der war doch jünger/älter, dicker/dünner, schöner/ mehr Charakterdarsteller“ (hässlich gibt es ja nicht:). Eigentlich ist es quatsch, doch das System kommt einem da oft so vor; wenn man eben wie ich nicht komplett davon leben kann, fragt man sich natürlich, was kann der da besser als ich? Aber das ist die falsche Frage. Wie gesagt, geht es um die Neugier, das Ausprobieren; wenn es hier nicht läuft, dann wo anders, wenn nicht jetzt, dann irgendwann. Ich weiß, das was ich bin und was ich kann zumindest noch soweit zu schätzen, dass ich mich noch nicht umschulen lassen muss. Es herrscht da ein Schubladendenken vor, dass man nicht zu sehr an sich ran lassen darf. Ich
 sehe mich eben nicht nur als Schauspieler, „Gesichtsverleiher“, auch wenn ich das studiert
 habe. Im Studium habe ich auch eigene Projekte gemacht, Filme gedreht, geschrieben. In
 meinem Engagement am Theater Aachen, habe ich angefangen Musik aufzulegen, eine Jugendtheatergruppe zu leiten, noch ein eigenes Stück zu schreiben, zu spielen und
 gleichzeitig zu inszenieren. Ich habe früher in Würzburg fürs AKW, Boot und Airport und auch später noch hier und da Videoinstallationen/Visuells gemacht und parallel Off-Theater gespielt.
 Es gibt so viele unterschiedliche Wege, da hilft es nicht neidvoll auf andere zu blicken,
 sondern sich davon inspirieren zu lassen. Eins zu Eins kann man sowieso nicht den Weg eines anderen nachgehen.

  1. Ata meinte mal, jeder ist ein Guru. Wo bist Du
 Guru? 


Naja, ich glaube damit hab ich dann doch noch Probleme, mich als Guru zu begreifen. Ich
 mach mich schon oft kleiner als ich bin, da ich in einem Metier stecke, wo so vieles über die Selbstdarstellung und Übersteigerung läuft. Die U21 Jugendtheatergruppe in Aachen damals wollte ich erst nicht leiten, da ich das Gefühl hatte, ich bin der letzte, der Teenagern was vom tollen Künstlerleben erzählen sollte und ich auch mit dem Konzept des Anführers nicht so einverstanden war – und auch einfach wegen der zusätzlichen Verantwortung. Doch dann 
habe ich ein Konzept dafür entwickelt, das eigentlich auch das widerspiegelt, was Ata sagt.
 Wir nannten die Gruppe Unterführung 21, mit dem Hinter- nein – Vordergedanken, die Kids brauchen keine Führer, die können das auch selber. Ich hab ein Projekt mit bescheuert verdichteten Liedtexten vorgeschlagen, dass ich schon länger mal probieren wollte. Die Gruppe hat es angenommen und im lauf der Monate wurden fast alle immer autonomer, brachten Angebote, schrieben Texte. Ich war nur noch da um hier und da technische oder schauspielerische Dinge zu erklären, Wirkungen zu besprechen und am Ende ein wenig zu inszenieren. Da hab ich mich dann wohl doch ein bißchen wie ein Guru gefühlt.

Für mich im Alltag muss ich da noch eine Balance finden. Da man als Schauspieler ja doch nicht so viel Autonomie behalten kann, weil man auch weisungsgebundener Arbeiter ist, fühle ich mich oft in Phasen, wenn ich keine Aufträge habe, etwas machtlos und auch antriebslos.

Der finanzielle Druck führt oft zu den komischsten Gedanken und Auswüchsen. Doch seit ich da wieder etwas freier bin, komm ich auch mit mir als eigener Boss wieder besser klar.
 Mein Boss sagt mir dann: „Du bist mehr als dein Internetauftritt, mehr als eine Karteikarte einer Agentur, du bist mehr als nur das was Du gestern auf die Bühne gebracht hast. Du 
kannst auch ein schönes Leben haben, in dem du dich einfach frei bewegst und dir die Geschehnisse in deiner Umwelt (aus-)suchst. Und überhaupt, nimm dir mal den Rest des Tages frei.“ Aber um noch mal auf die Guru-Analogie zurück zukommen: Ich frage mich, wenn jeder Guru wäre, wo wäre denn da dann das Kollektiv und hört man denn dann noch aufeinander?

  1. Welche Künstler sind für Dich „Gurus“, die Dich besonders berühren und inspirieren?


Ich hatte ganz lange keine direkten Vorbilder in der Film- oder Theaterwelt. Eher in der Musik. Klar bin ich Fan von vielen SchauspielerInnen und RegisseurInnen. Da gibt es sehr viele und ich freue mich eben auch, wenn ich der einen oder dem anderen mal begegne bzw. man mal zusammenarbeitet. Es war toll mit Birgitt Minichmayr und Martin Wuttke oder Daniel Zielmann in der Volksbühne für Frank Castorf und Rene Pollesch zu arbeiten; oder eben zuletzt das Ensemble in Erlangen und Mirja Biel mit Sophie Kennedy.
 Die deutsche Musikszene interessiert mich da eben auch sehr. Ich gehe regelmäßig zu Carsten EROBIQUE Meyer’s Konzerten. Die spülen mir Kopf und Körper durch. Wie schon erwähnt, spielt Musik für mich eine sehr zentrale Rolle.

Für meinen letzten eigenen Film mit der Filmuniversität Babelsberg 2012 habe ich zum
 Beispiel die Gruppe Jeans Team für den Soundtrack begeistern können. Wir saßen einen Nachmittag zusammen in Ihrem Studio und haben Raritäten und Auszüge des damals bald erscheinenden Albums angehört und ich durfte mir aus ihrer Discographie aussuchen, was 
ich wollte. Das sagt vielleicht kaum jemandem was, aber für mich bedeutete es sehr viel. 
Ich würde die Leute nie als Gurus oder Vorbilder bezeichnen, eher als Inspirationen. Menschen die eben ganz anders sind als ich, wo mir klar ist, ich werde nie so sein wie die, deren Wege und Geschichten faszinieren mich. Justus Köhnke und Eric D. Clark von Whirlpool Productions habe ich etwas kennengelernt, einmal mit Justus auf Andreas Doraus Geburtstagsgala anlässlich seines 50sten zusammen Fred vom Jupiter performt; deren Leben, Wege und Sichten inspirieren mich sehr. Die ganze Familie um den Pudelclub in Hamburg, Leute wie Schorsch Kamerun, Rocko Schamonie, Mense Reents, DJ Koze; das sind Künstler, die sich aus meiner Sicht nicht zu ernst nehmen, trotzdem an sich und dem was sie gerne tun arbeiten; die sich eben auch immer wieder neu definieren, sich nicht in einer Schublade wohlfühlen oder auf etwas ausruhen, Menschen die Stellung beziehen ohne das es berechnend wirkt.

12/ Was ist für Dich Selbstbewusstsein? Bist Du selbstbewusst?

Selbstbewusstsein entsteht bei mir jeden Tag aufs neue, wenn ich mich den 
Herausforderungen stelle. Selbsbewusstsein kommt für mich eher aus Interaktion mit anderen Menschen, als von einem vollen Bankkonto oder ’ner geilen Karre – wobei ich mich mit dem Klapprad und ein bisschen Gage in der Tasche schon wie der King in Kreuzberg fühlen kann. Für mich ist der Begriff aber auch recht negativ besetzt, da er auch Egoismus beinhaltet. So wie
 du es allerdings angehst, also im Sinne des Sich-selbst-bewusst-machen der eigenen
 Interessen, der eigenen Umgebung, der Selbstverantwortung, kann ich schon sagen, dass ich selbstbewusst bin. Das fängt beim liebevollen Umgang mit sich selbst an, geht über den bewussten Einkauf im Supermarkt, bis hin zum Umgang mit anderen Menschen.

13/ Willst Du der Welt noch was sagen?
Und wenn man bedenkt, dass die Welt Du bist, willst Du Dir Selbst noch etwas sagen? 😉

Ist ja seit langem mein erstes Interview und dann gleich noch so ein intensives, dass ich
 gefühlt, Monate gebraucht hab für die spontanen Antworten. Aber danke für die Möglichkeit einer Auseinandersetzung mit mir selbst.
 Des weiteren freue ich mich, wenn die eine oder der andere mal nach Erlangen kommen will, um unsere Kasimir-und-Karoline-Inszenierung zu sehen. Wir spielen noch im Juli, dann wieder nach der Sommerpause im Oktober und November. http://theater-erlangen.de/de/spielzeit-17-18/stuecke-projekte/kasimir-und-karoline Wenn irgendwer aditional Questions hat, kommt gern auf mich oder Ali zu.

Wer mich sonst als DJ kennenlernen möchte kuckt/hört doch mal hier vorbei/rein:

https://soundcloud.com/viceworscht/sets/bj-viceworscht-mild-mustard https://www.mixcloud.com/Viceworscht/

 


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