Du Selbstdarsteller! Was für ein wundervolles Lob.

Wisst ihr, was ein Selbstdarsteller ist?

Das Wörterbuch beschreibt es als „Jemand, der es versteht, sich durch eigene Worte oder Taten in den Vordergrund zu spielen.“ Spannend, dass der Begriff meist negativ assoziert wird und als Vorwurf Verwendung findet. So geschah es auch die Tage bei mir. Vielleicht kennst Du so einen Punkt in Dir, der alles dafür tut, nicht entlarft zu werden. Und wenn er dann doch berührt wird, total überreagiert. In bin in eine totale Trauer gefallen.

Auf der einen Seite gibt es in mir den sehr großen Anteil, der sich im Gegenüber sieht und dementsprechend immer daran interessiert ist, dem anderen zu helfen, mit seinem Besten zu verbinden und dem Weg gelassen vertraut. Auf der anderen Seite ist da auch der männliche Anteil, der langsam aber sicher wieder in seine Kraft kommt und merkt, dass es wichtig ist, den Beruf nicht nur aus Freude auszuüben, sondern auch um eine Familie und sich selbst davon zu ernähren. Der also den Drang hat sich endlich wieder  so darzustellen, dass die Menschen sich einlassen.

Ein ganz normaler innerer Dialog also, eigentlich.

Der Vorwurf des Selbstdarstellers traf mich irgendwie doch erstmal richtig hart. Ich, der die letzten 11 Jahre so gut wie auf alle Bestätigungen im Außen verzichten gelernt hat und schnurstracks dem inneren Weg gefolgt ist, soll ein Selbstdarsteller sein. Wenn andere meine Hilfe brauchten, habe ich alles liegen und stehen gelassen und war da. Wenn ich etwas brauchte, wählte ich lange Deadlines, wenn die verstrichen waren, fragte ich mal zart nach und wenn ich dann irgendwann einmal sagte, du, ich brauch es jetzt wirklich, war ich jetzt der, der Stress machte. Und „warum sich auf einmal alles um Dich Selbst dreht“ die ernst gemeinte Frage. Anders beschrieben, mir war der Orgasmus des Gegenübers wichtiger als meiner, wenn ich dann mal sagte, „Hallo hier gibt es auch ein Bedürfnis“, dann war das egoistisch, unverschämt. Okay. Schönes Muster. Schön doof. Und schon klar, warum es sich so lange so subtil versteckt hatte. Und was für eine Chance mal wieder hinter die Kulissen zu schauen, das Ego zu lüften. Als alle Welt mir gerade Egoismus vorwarf und ich echt tief berührt, traurig, wütend war und mich fragte ob ich wirklich der größte Hirsch auf Erden bin, ging mir ein Licht auf. Shit, was soll das? Es kam Klarheit ins Spiel: was, wenn die Vorwürfe die Anderen eigentlich nur selbst betreffen und sie das, was sie ablehnen nur auf mich projezieren? Ist ja bekanntlich einfacher die Schuld dem Anderen in die Schuhe zu schieben, als mal zur Abwechslung bei sich selbst zu schauen.

Dementsprechend spannend ist es hier gerade. Dinge werden vorgeworfen, reflektiert und stehen gelassen. Das was ich bin hat nichts mit alldem zu tun.

Und, wenn ich (für den ein oder Anderen) ein Egoist bin: bitte schön. Darf sein. Ich bin viele, neben dem Heiligen auch der Sünder, und doch frei von allem Heiligen und aller Schuld. Wer trennt?

Ist nicht die einzige Sünde, sich und anderen etwas vorzuwerfen? Im Moment, im aufgehen mit dem was ist, ist kein Platz dafür.

Man nennt Dich arrogant, weise, egoistisch, mitfühlend, liebevoll, hässlich, schön. Wunderbar! Solang Du im Moment bist und Du Du bist, kannst Du auf all die Bewertungen scheißen. Wie oft macht der vermeintliche „Fehler“ ein Kunstwerk erst zum Meisterwerk? Aber eben erst, wenn wir ihn lassen, einfach weitergehen, es weiter fliessen lassen und am Ende dazu stehen.

Und so schliesst sich der Kreis.
SelbstDarsteller.

So abwertend der Begriff oft gebraucht wird, so schön ist er, wenn man ihn wirken lässt. Ich stelle mich Selbst und damit das Selbst dar. „Darstellen steht für symbolisieren, für etwas stehen“ meint gerade ein alter Freund.

Danke, ich könnte mir wirklich kein schöneres Lob vorstellen.

Also, Namaste, egal was das Göttliche gerade bei Dir su treibt.

Ali

PS: Du fragst Dich, warum ich das schreibe? Na klar, um mich selbst darzustellen. Ich beschreibe meine Geschichten, vielleicht erkennst Du Dich darin. Für mich geht die Begleitung von Menschen am tiefsten, wenn die Dinge hier selbst erlebt sind.

Und gleichzeitig spüre ich in mir, eigentlich ist es egal. Wenn wir uns auf unserer tiefsten Ebene begegnen, ist es nicht wichtig, ob es selbst oder im anderen erfahren ist. Mitgefühl und die Verbindung zu unserer Essenz lässt das Eis schmilzen, nicht allein Erfahrung, Wissen, Intellekt und alle Orden unseres Egos.

Vielleicht sollten wir uns nicht so wichtig nehmen und uns mehr Selbst darstellen?

Vielleicht sollten gerade wir Künstler mit dem Thema mehr spielen. Auf der einen Seite fliessen die Meisterwerke nur in der Hingabe, wenn wir uns Selbst vergessen und dem Moment „opfern“. Auf der anderen Seite haben wir Künstler so oft unsere Probleme zu uns und unserem Werk zu stehen. Ich kenne den Anteil nur zu gut… Wir haben Angst nach aussen zu gehen, Angst vor Bewertung, vor Kritik, manchmal sogar vor Lob.

Angst ist das Gegenteil von Liebe.

Nur wer seine Grenzen kennt, findet seine Mitte.

Unter dem Strich kommen wir Künstler nicht drumrum, uns Selbst darzustellen.
Sowohl durch die Kunst, wie auch im publizieren davon.
In den letzten 20 Jahren habe ich viele Künstler kennengelernt die richtig gut waren. Viele sind durchgestartet, erblüht.
Viele sind eingegangen.
Warum? Sie konnten nicht zu sich und ihren Werken stehen. Sie hatten zwar tolle Werke am Start, aber konnten sie nicht loslassen. Eine Stimme sagte ihnen immer, das noch fehlte…

Was? SelbstBewusstSein.
Das Vertrauen in sich, dass alles gut ist wie es ist, sich alles so entwickelt wie es soll, das alle Siege und Niederlagen eigentlich unwichtig sind und uns nur immer näher zu uns Selbst bringen.

Wie sagte Marc​ heute zu mir. Ihn inspiriert die Sichtweise, dass man dann authentisch wird, wenn man sich seinem Wunschbild nähert. Eine spannende Sichtweise. Gerade schickte er mir auch noch die Quelle dazu: „La Agrado“ und lautet auf deutsch: „Weil wir umso authentischer sind, je ähnlicher wir dem Traum werden, den wir von uns selbst haben.“ (Original: Porque una es más auténtica cuanto más se parece a lo que ha soñado de si misma! / Because you are more authentic the more you resemble what you’ve dreamed of being. ) https://youtu.be/JkX03RJS9Ow

Das, was wir fühlen, träumen, sein möchten ist authentischer als das was wir aktuell leben? Schlummert nicht in jedem von uns ein Bild, eine Ahnung, was wir eigentlich sind. Vor all dem, was uns die letzten Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte an Mustern unserer Familiensysteme und unseres Umfelds übergestülpt wurde…

Was ist also authentisch?

Was bist Du?

Herzlich willkommen!

 

 

Die Kunst klar zu kommen. PflanZENkraft für Kreative.

Alexander Prier

„Jetzt und Hier, das Beste in Dir!“

 


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